Deutschlandradio Kultur über die Iran-Konferenz "Time to act"

Beitrag für Ortszeit (Deutschlandradio Kultur), 30. November 2009, 6.45 Uhr

Moderator: Marcus Pindur

Autorin: Ayala Goldmann

Text Autorin:

Stoppt die Bombe, es ist Zeit zu handeln“ - unter diesem Motto haben am Wochenende Wissenschaftler aus Deutschland, dem Iran, Israel und den USA ein Ende des iranischen Atomprogramms gefordert. Mehr als 150 Teilnehmer, darunter Hochschullehrer, Experten für Außenpolitik und Exil-Iraner, diskutierten bei einer internationalen Iran-Tagung in Berlin über Möglichkeiten, eine nukleare Aufrüstung der islamischen Republik zu verhindern. Und während die Diskussion noch auf Hochtouren lief, kündigte der iranische Präsident Machmud Achmadindschad gestern nachmittag in Teheran an, er wollte zehn neue Atomanlagen bauen lassen. Matthias Küntzel, Politikwissenschaftler in Hamburg und Autor des Buches „Die Deutschen und der Iran“ warnt eindringlich vor möglichen Konsequenzen:


O-Ton Matthias Küntzel:

Der entscheidende Punkt ist, dass es nicht um die Technik geht, sondern um die Ideologie, die mit dieser Technik verbunden wird. Und da haben wir nur in Iran eine Ideologie des Messianismus, der Apokalypse, des Antisemitismus. Es gibt kein anderes Land der Welt, das offen erklärt, ein UN-Mitgliedsland auslöschen zu wollen.

Text Autorin:

Matthias Küntzel spricht von Israel, dem Achmadinedschad mehrfach die Vernichtung angekündigt hat. Allerdings, das betonen die Veranstalter der Iran-Konferenz, bedrohe der Iran nicht nur den Judenstaat. Michael Spaney, Sprecher der Kampagne „Stop the Bomb“:

O-Ton Michael Spaney:


Das iranische Regime mit seinem antisemitischen islamistischen Charakter will nicht nur im eigenen Land herrschen. Sie wollen die islamistische Revolution in die Welt tragen.... Der Jemen wird destablisiert, Terrorgruppen im Irak werden unterstützt, in Pakistan, aber auch in Lateinamerika und in Afrika. Diese Revolution soll in die Welt getragen werden und ist letztendlich auf Weltherrschaft ausgerichtet. (....) Das Problem betrifft nicht nur Israel, sondern die komplette internationale Gemeinschaft. Weil ein Wettrüsten im Nahen Osten, was zwangsläufig entstehen würde mit einer Atombombe in den Händen des Iran, untragbar wäre für die ganze Welt.

Text Autorin:

Stop the Bomb“ ist eine Privatinitiative, finanziert durch Spenden. Sie enstand vor zwei Jahren in Österreich und ist seit Oktober 2008 auch in Deutschland aktiv. Zu den Unterstützern gehören unter anderem die Schriftsteller Elfriede Jelinek, Leon de Winter, Elie Wiesel, Henryk M. Broder und die Politiker Heiner Geissler und Petra Pau. In einer Internet-Petition fordern mehrere tausend Unterzeichner ein Verbot der pro-iranischen Hisbollah in Deutschland, eine Unterstützung der iranischen Opposition und vor allem deutsche Handelssanktionen. Die Bundesrepublik Deutschland ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner der Islamischen Republik Iran.

O-Ton Michael Spaney:

Das sollte eigentlich eine selbstverständliche Forderung sein, aber bisher war das immer anders. Dass die größten Diktaturen hier mit Waren versorgt wurden und die Wirtschaft keine Skrupel kannte, da weitere Geschäfte abzuschließen.

Text Autorin:

Kritiker halten der Kampagne „Stop the Bomb“ entgegen, auch Israel besitze angeblich Atomwaffen, sei also in der Lage, sich gegen einen etwaigen iranischen Angriff zu verteidigen. Matthias Küntzel sagt allerdings, die Islamische Republik Iran und Israel seien nicht mit gleichem Maß zu messen:

 
O-Ton Matthias Küntzel:

Als Israel mit seinen Atomplänen bekannt geworden ist, das war Mitte der 80er Jahre, hat sich kein arabischer Staat darum gekümmert, selber Atomwaffen zu bekommen, weil man wusste, dass Israel defensiv die Dinge einsetzen wird, wenn überhaupt. Als Iran jetzt immer deutlicher diesen nuklearen Weg beschritten hatte, haben die arabischen Staaten alle angefangen, selber nuklear aufzurüsten, weil sie genau sehen, hier ist eine expansive, sozusagen missonarische Bewegung im Gange, die ihr Schiitentum auch in die andere arabische Welt hineintragen will. Sie haben Angst vor Iran. Sie haben keine Angst vor Israel.

Text Autorin:

Mehrere arabische Staaten planen bereits eigene zivile Atomprogramme. Die Folgen, das befürchtet nicht nur Matthias Küntzel, seien nicht abzusehen.